RESOLUTION DER KAB
ZUR „ARBEITSLOSIGKEIT

 

 

 

Die Kath. ArbeitnehmerInnen Bewegung (KAB) der Erzdiözese Wien ist in großer Sorge um die von Arbeitslosigkeit betroffenen Menschen in Österreich.

Über 220.000 Personen sind in Österreich arbeitslos (Stand: Aug.05)! Tendenz: steigend!

Arbeitslosigkeit zählt zu den Geißeln der modernen Menschheit. Den Betroffenen schafft sie schwere, in Einzelfällen unerträgliche Belastungen. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist leider deutlich angestiegen!

Unsere Sorge, um die von Arbeitslosigkeit betroffenen Menschen, ist sowohl religiös begründet, wie auch sozialpolitisch. Nach Aussage der Bibel ist die Verpflichtung, die Erde zu gestalten, an alle Menschen ergangen.

Darum ist es sittlich unzulässig, wenn eine beachtliche Gruppe von Menschen keinen Zugang zur Erwerbsarbeit findet. Diese Tatsache wird zur gesellschaftlichen Bedrohung, wenn es sich um junge Menschen handelt, denen schon der Einstieg in die eigene Lebensgestaltung und gesellschaftlichen Mitverantwortung unmöglich gemacht wird.

Selbst wenn den Arbeitslosen ein Existenzminimum zugesichert ist:

Das größere sittliche Problem besteht darin, dass Menschen aus der Beteiligung am gesellschaftlichen Arbeitsprozess schuldlos ausgeklammert werden, mit all den Folgen für die Erfüllung des an jeden Einzelnen ganz persönlich ergangenen Auftrages.

Darum ist ein gesellschaftlicher Zustand, der Menschen von der Erwerbsarbeit ausschließt, als menschenunwürdig zu bezeichnen.

Am meisten sorgt uns die Resignation und Abgestumpftheit gegenüber der Arbeitslosigkeit. Gegen diese Haltung muss sowohl von Seiten der Gesellschaft, der Kirche, als auch von Seiten des Staates angekämpft werden.

Als KAB fühlen wir uns verpflichtet, unsere Stimme zu erheben, da es scheint, man hätte sich mit einer bestimmten Arbeitslosenrate bereits abgefunden.

Wir wissen um Krisen in Ehe und Familien, die durch die Arbeitslosigkeit ausgelöst oder verschärft werden. Wir kennen auch das Leid älterer Arbeitnehmer/innen, die nach jahrelanger, treuer Arbeit unter einem wirtschaftlichen Vorwand entlassen werden und keine Arbeit mehr finden.

 

Zu hinterfragendes Schlagwort: „Sinkt das Personal, steigen die Aktien!“

Wir begegnen auch Menschen, die man zu schnell als „nicht mehr vermittelbar“ einstuft und den gesellschaftlichen Problemgruppen zuordnet, obwohl ihnen eine sorgfältigere Umschulung und Weiterbildung vielleicht eine neue Einstiegschance in die Arbeit ermöglichen könnte.

Viele unserer Arbeitssuchenden machen die schmerzliche Erfahrung, dass sie nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gesellschaftlich isoliert werden. Es droht ein Zerbrechen der Solidarität zwischen den Arbeitslosen und jenen, die einen Arbeitsplatz besitzen.

Als KAB appellieren wir daher an alle wichtigen gesellschaftlichen Kräfte, alles in ihrer Macht Stehende zu unternehmen! Dem Problem „Arbeitslosigkeit“ ist unbedingte Priorität einzuräumen und entschieden entgegenzuwirken!

September 2005