WIE
ENTSTAND DER SONNTAG?
Sieben-Tage-Woche mit Ruhetag
Mit dem Wechsel von Tag und Nacht ist der Natur ein Rhythmus vom Sonnenlicht her gegeben. Für den Monatsrhythmus im Lauf eines Jahres bietet sich der Mondmonat mit 29 bis 30 Tagen an.
Die Griechen hatten ursprünglich die Woche mit 10 Tagen. Die Römer kannten "Nundiae", die Wiederkehr der Woche nach acht Tagen. Die Siebentagewoche dürfte im ägyptisch-baylonisch-sumerischen Kulturkreis ursprünglich sein und könnte mit dem Mondkult zusammenhängen, entsprechend dem etwa siebentägigen Abstand der Mondphasen. Durch astrologische Spekulationen kommt dem siebenten Tag (=Samstag) der Zeitpunkt zu, an dem das Tun der Menschen von den Göttern nicht begleitet wird. Somit ist er für die verschiedensten Unternehmungen ungünstig, ein Unglückstag. Im Volk Israel wird der Samstag als Sabbat (=Leertag) übernommen und als Tag des Heils ausgezeichnet. Wahrscheinlich kam es im 6. vorchristlichen Jahrhundert zu einer Verschmelzung des typisch israelitischen "siebten Tages 96 als Ruhetag, mit dem außerhalb Israels bezeugten "Vollmond-Sabbat" als öffentlichem Kulttag. Kultische Feiern und Arbeitsruhe fallen nun zusammen.
Es läßt sich feststellen, daß die Sieben-Tage-\Noche ein Rhythmus ist, der seit ungefähr 4000 Jahren das Leben vieler Völker prägt. Der Sonntag stellt sich dabei als unverzichtbare Synchronisation dar. So kann auf die Natur des Menschen bezogen gesagt werden, daß das im "gleichen Takt"-Arbeiten und Zur-Ruhe-Finden gemeinschaftsstiftend ist. In diesem Sinn betrifft der Sonntag den Menschen in seiner kulturellen Existenz.
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Der jüdische Sabbat
Der Sabbat als der siebente Tag der Woche, ist der jüdische Ruhetag, der Gott zu weihen ist. Die Mischna führt 39 verbotene Tätigkeiten an, die am Sabbat nicht verrichtet werden dürfen: am Sabbat ist u.a. kein Handel zu treiben, nur eine festgelegte Wegstrecke zurückzulegen, kein Feuer zu machen, weshalb die Speisen am Vortag zubereitet werden mußten usw.
Der Sabbat der jüdischen Religion kennt zwei Grundbestimmungen:
Tag der Ruhe und des Segens
Tag der Heiligung
Mit dieser Heiligung sind drei Grundideen verbunden, die das Volk Israel und seine historische Entwicklung existentiell betreffen:
1. Schöpfungsgeschichte mit sechstägiger Arbeitswoche und Ruhetag Gottes
2. Sozialer Gedanke: Schutz für Schwache und Außenseiter, für Arme und Bedrückte, Witwen und Waisen, auch Knechte und Mägde, Haustiere, Fremdlinge
3. Erinnerung an die Befreiung aus der Sklaverei und an den Auszug aus Ägypten
"Darum haltet den Sabbat, denn er soll euch heilig sein. Sechs Tage soll man arbeiten; der siebte Tag ist Sabbat, Ruhetag, heilig für den Herrn. Jeder, der am Sabbat arbeitet, soll mit dem Tod bestraft werden." Buch Exodus (Ex 31, 14-15)
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Der christliche Sonntag
Der erste Tag nach dem Sabbat: Sonntag der Christen. Jesus ist am Tag nach dem Sabbat, am ersten Tag der VVoche, von den Toten auferstanden. Diesen Tag feiern nun die Christen als Tag der Auferstehung, als Fest der Befreiung aus Sünde und Tod. So entsteht der "Tag des Herrn", der christliche Sonntag mit dem Herrenmahl, zum Gedächtnis des Todes und der Auferstehung des Herrn, "bis er kommt" (1 Kor 1 1,26).
Später verbinden die Christen den Sonntag mit dem Sabbat, "weil der eine das Gedächtnis der Schöpfung, der andere dasjenige der Auferstehung ist" (Apostolische Konstitution im 4. Jahrhundert)
Im stetig wiederkehrenden Lauf von Sieben-Tage- VVochen wird für den Sonntag auch die Bezeichnung "8.Tag" gebraucht um auszudrücken, daß durch die Auferstehung die klassische Ordnung unserer Denkdimensionen durchbrochen wird, Christus jenseits von Zeit und Ewigkeit stets gegenwärtig ist. Ignatius von Antiochien sagt: "Christen sind Menscheri, die vom Sonntag her leben."
Die Botschaft des Sonntags: Unterbrecht die Arbeit und feiert das Fest. Der Mensch soll Gottes Bild sein in dem er arbeitet, also Gottes Schöpfung weiterführt, aber auch dadurch, daß er feiert. Die Arbeit darf die Menschen nicht völlig vereinnahmen. Sie brauchen die gemeinsame Unterbrechung der Arbeit, den Lebensrhythmus von "ora et labora", von Sonntag und Werktag, für Christen mit der Eucharistiefeier zum Dank für Schöpfung und Erlösung.
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Der Sonntag als gesetzlicher Ruhetag
Die Apostelgeschichte (Apg 20,7) berichtet über den ersten Tag der Woche als den Versammlungstag, wo man das Brot brach, Gottesdienste feierte und Predigt hörte.
Justin der Märtyrer (um 150 n. Chr.) spricht von einer gemeinsamen Feier, zu der sich alle an dem "nach der Sonne benannten Tag" einfinden.
Das Sonntagsgesetz Kaiser Konstantins aus dem Jahr 321 besagt: Jegliche Arbeit, die Feldarbeit ausgenommen, wird verboten; mit Ausnahme der Sklavenfreilassungen dürfen am Sonntag keine Gerichtshandlungen stattfinden. Den Soldaten wird der sonntägliche Gottesdienst verordnet. Im Jahre 380 wurde von Kaiser Theodosius 1. der christliche Glaube für alle Staatsangehörigen zur verpflichtenden Religion erklärt. Damit verbunden war die Verpflichtung zur Mitfeier der sonntäglichen Eucharistie und das Verbot der Abhaltung von nichtchristlichen Gottesdiensten. In der "Lex Bajuvariorum it , einer der ältesten Verfassungen eines germanischen Stammes, wird um das Jahr 750 bestimmt: "Wer am Sonntag knechtliche Arbeit verrichtet, der verliere seine Freiheit und es werde der zum Knecht, der am heiligen Tag nicht hat ein Freier sein wollen.
In der industriellen Revolution wurde der freie
Sonntag immer mehr in Frage gestellt und im 19. Jhdt. mußte die Sonntagsruhe
erst wieder erkämpft werden. In Österreich erfolgten die ersten gesamtrechtlichen
Begrenzungen der Arbeitszeit durch Gesetze 1859 und der Sonn- und Feiertagsarbeit
1885. Doch erst das Gesetz zur Regelung der Sonn- und Feiertagsruhe in Gewerbebetrieben
vom 16. Jänner 1895 brachte eine umfassende Regelung.